Lieber M.!
Auch wenn ich weiß, dass du diese Zeilen niemals lesen wirst, ich dir diese Worte niemals sagen werde, so weiß ich doch, dass es der richtige Weg ist, die richtige Zeit um zu gehen.
Ich bin nicht bereit, darauf zu warten, dass du mir weh tust; es ist doch einfacher, mit Schmerzen zu leben, die ich mir selbst zu füge. Du wirst sie nie verlassen, nie ganz bei mir sein, aus Angst und Zweifel dich gegen mich entscheiden. Angst vor einer ungewissen Zukunft mit mir und Zweifeln an deiner Wirkung auf mich. Niemals wirst du verstehen können, weshalb ich dich liebe. Zu keinem Zeitpunkt hast du geglaubt, dass nur du es bist, der mich fasziniert, hast gezweifelt an meiner Aufrichtigkeit und bist mit meiner Selbstsicherheit in den dunklen Abendhimmel verschwunden. Für dich habe ich es aufgegeben, alles kontrollieren und beeinflussen zu wollen. Du hast mir gezeigt, dass ich schwach sein kann. Du hast mir den Mut verliehen, mich fallen zu lassen.
Doch nun, wo ich falle, bist du nicht da, um mich aufzufangen, mir Halt zu geben. Wann ich aufkomme, weiß ich nicht, den Aufprall kann ich noch nicht erahnen. Und wenn es so weit ist, ich wieder den Boden spüre, muss ich mit eigener Kraft aufstehen; die Kraft, die du mir genommen hast.
Ich war nicht bereit derartiges zu empfinden. Zu tief waren die vergangenen Wunden, eingebrannt die alten Schmerzen, das schlimmste Übel.
Ich habe dir mein Herz gegeben und nur du hast es in der Hand, ob es wieder in tausend Stücke zerspringt. Nur dir habe ich die Macht überlassen, Herr meiner Gefühle zu sein.
Nun weiß ich, dass ich dich gehen lassen muss; deine Zweifel sind größer als deine Gefühle zu mir; deine Angst schwerwiegender als unsere Leichtigkeit. Du hast mich als Freund ausgeschlossen und als Freundin verstoßen. Ich werde nicht warten, bis du dich entscheidest; egal wie sehr dich dieses Rätsel quält. Ab heute musst du es alleine lösen; ab sofort hast du den Freund verloren, den du niemals wolltest. Deine Worte, wie schön sie auch klangen, sind verhallt in den Mühlen des Irrsinns. Liebe ist Wahnsinn, auch wenn in jedem Wahnsinn ein wenig Vernunft steckt, die ich verloren habe, nicht mehr sehen kann, so wie ich uns nie mehr sehen werde!
Wir sind an einer Kreunzung, an der du einen anderen Weg gehen musst als ich! Und das einzige, was ich mir nun noch für dich wünsche, ist, dass du glücklich wirst und das Getane nicht bereust. Und irgendwann wird es zu spät sein, an diese Kreuzung zurück zu kehren! Ich werde nicht mehr zulassen, dass sich dein Weg mit meinem kreuzt!
Fliehen kann ich vor dir nicht, weil ich mir sonst alles nehmen würde. Doch ich kann mit traurigem Blick in den Spiegel sehen und in meinen Augen erkennen, dass ich immer die Wahrheit sagte. Ob du gespielt hast, ob alles echt war, es wirklich so tief empfunden real war, dass weißt nur du. Doch mir kannst du keinen Vorwurf machen, dass ich diese Entscheidung treffe und nicht bereit bin, darauf zu warten, dass du mir sagst, was ich schon weiß: "Es tut mir leid!"

